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Erlebnis: Kommunikation – Exkursion ins Museum

Museen sind verstaubt und langweilig? Die Exkursion mit Prof. Dr. Clemens Schwender in das "Museum für Kommunikation" in Berlin Mitte belehrt unsere Studierenden M.A. Erlebniskommunikation eines besseren!

Das "Museum für Kommunikation" (MfK) in Berlin Mitte beleuchtet als ältestes Postmuseum der Welt in Dauer- und Sonderausstellungen die Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Kommunikation unter verschiedensten Aspekten. hdpk Professor Dr. Clemens Schwender mitbegründete hier das Feldpost-Archiv, die deutschlandweit umfassendste Sammlung für deutsche Feldpost im Zweiten Weltkrieg, aus der eine der erfolgreichsten Sonderausstellungen des MfK hervorging.

Über diesen Kontakt hatten die Masterstudierenden die Gelegenheit, vor Ort Gespräche mit der Kuratorin der aktuellen Sonderausstellung „Göttlich Golden Genial. Weltformel goldener Schnitt?“ Katharina Schillinger und dem Abteilungsleiter für Öffentlichkeitsarbeit Dr. Oliver Götze zu führen. Im Anschluss bot sich ihnen die besondere Möglichkeit, auch einen Blick ins Sammlungs-Depot des Museums zu werfen.

Fragen, die die Studierenden unter den Nägeln brannten: 

• In Hinsicht auf das Schwerpunktthema des Seminars (Emotionstheorien): Welche Emotionen und Gefühle löst ein Museumsbesuch aus?

• Mit welchen Mitteln wird das versprochene „Erlebnis Kommunikation“ im MfK erzeugt, wie wird das Museum zum Erlebnisort?

Erlebnisbericht – Langweile? Fehlanzeige.

Staunen, Ehrfurcht, Erhabenheit – Begriffe die wir in Vorbereitung unserer Exkursion als „Museums-Emotionen“ zusammengetragen hatten und in die uns nun bereits die prunkvolle Fassade des zwischen 1893-1897 errichteten, wuchtigen Gebäudes versetzt, bevor wir überhaupt den Eingang des Museums passiert haben. Drinnen öffnet sich uns ein ebenso imposanter Lichthof. Dort vergnügen sich bereits einige Schulklassen lautstark mit den Robotern, die hier als feste Institution geduldig und freundlich die Gäste begrüßen. Wir haben eine Stunde Zeit, das Museum auf eigene Faust zu erkunden, bevor wir uns mit Professor Schwender und den Mitarbeitern des Museums treffen. Viel zu wenig Zeit, wie sich herausstellen wird, den hier gibt es einiges zu entdecken. Vor den lärmenden Schülern flüchten wir uns zunächst in die „Schatzkammer“ im Keller des Gebäudes. Hier werden in geheimnisvollem Halbdunkel siebzehn besonders wertvolle Exponate präsentiert, darunter die legendäre blaue Mauritius. Die angenehm ruhige und kontemplative Atmosphäre in diesem Raum lädt zum verweilen ein, leider drängt die Zeit. Wir hechten über die Treppen, vorbei an einem Gemälde von Neo Rauch, hinauf in den zentralen Teil der Dauerausstellung im ersten und zweiten Obergeschoss. Im Mittelpunkt stehen hier die Meilensteine menschlicher Kommunikation. Vom Faustkeil bis zum Smartphone nimmt diese Ausstellung die Besucherinnen und Besucher mit auf eine spannende Reise durch mehr als 2000 Jahre Kommunikationsgeschichte und ist dabei weniger auf lückenlose Vollständigkeit bedacht, als darauf, die interessantesten Entwicklungen schlaglichtartig zu beleuchten. Die interaktiven Themengalerien führen zudem in aktuell relevante und zentrale Fragen der Kommunikationsgeschichte ein: Wie verändern Medien unsere Wahrnehmung von Raum und Zeit? Welche Auswirkungen hat die Beschleunigung des Personen-, Waren- und Datenverkehrs? Wie werden Nachrichten geschützt? Spezielle Themensäle bieten Einblick in die Geschichte und Entwicklung der Schreibkultur, Post und Telefonie. Eine Rohrpostanlage, ein optischer Telegraf sowie eine Morsestation laden dabei unter anderem zum Ausprobieren ein. Besonders viel Vergnügen bereitet uns der „Green-Room“, in dem die Situation in einem Nachrichten-Studio simuliert wird. Kommilitone Jakob macht sich nicht nur dank Teleprompter hervorragend und äußerst telegen als Nachrichtensprecher.

Nur wenige der vielen interaktiven Stationen können wir ausgiebig testen, das Angebot ist einfach zu groß. Auch die interessante Sonderausstellung zum „goldenen Schnitt“ müssen wir auslassen, denn nun treffen wir uns mit Professor Schwender, Frau Schillinger und Herrn Dr. Götze und haben Gelegenheit, einige Fragen zu stellen. Von „verstaubt“ kann in diesem Museum wohl keine Rede mehr sein, im Gegenteil wird ein zeitgemäßes Konzept verfolgt, das Interaktivität und spielerisches Erkunden und Lernen in den Mittelpunkt stellt. Gibt es trotzdem Kritik? Ja, sagt Katharina Schillinger, beanstandet würde zum Beispiel, dass zu wenige Hintergrundinformationen geliefert würden bzw. diese hinter dem vielen „Spielkram“ keine Beachtung mehr fänden. Die Ausgewogenheit zu halten von ausreichender Informations- und Wissensvermittlung einerseits und dem Ermöglichen von sinnlicher Erfahrung, Partizipation und Interaktivität andererseits ist schwierig.

Im Anschluss an das interessante Gespräch brechen wir auf zum Tempelhofer Feld, dort sind in einem sanierten Lagergebäude des ehemaligen Reichspostzentralamtes die Sammlungen der Museumsstiftung Post und Telekommunikation (auch Trägerin des MfK) untergebracht. Als einer von drei Standorten beherbergt das Berliner Depot die Sammlungen aus dem Bereich der Brief- und Schreibkultur, der Institutionengeschichte sowie der Transport- und Verkehrsgeschichte. Die Feldpostbriefe, die Stempel- und Druckstocksammlung, die Briefkästen, die Posthausschilder und die Textilien sowie die Kartensammlung, die Fahrzeugmodelle und die Reiseutensilien stellen besonders herausragende Einzelsammlungen dar. Wir werden dort vom Abteilungsleiter der Sammlung, Dr. Veit Didczuneit, begrüßt und erhalten anschließend von Wenke Wilhelm, Referentin für Archiv, Transportgeschichte und Verkehr, eine Führung durch die ausgedehnten Lagerräume, die überfüllt sind mit Sammlungsstücken und so ein beeindruckendes Bild liefern.

Ebenso übervoll von den Eindrücken des Tages treten wir am Abend im Schneesturm die Heimfahrt an.

Was haben wir gelernt?

…dass Museum nicht öde und langweilig sein muss, wenn es gelingt eine Ausstellung durch die spannungsvolle Inszenierung von dreidimensionalen Exponaten, Bildern, Text, Licht, Film, Ton, digitalen Medien und interaktiven Elementen im Raum die Besucher gleichzeitig zu informieren und sinnlich zu „verführen“, sie zu emotionalisieren, in Staunen zu versetzen, sie miteinzubeziehen und mit Erfahrungen zu bereichern. In einer gut gestalteten Ausstellung bilden die eingesetzten Medien keine einzelnen, verstreuten Elemente, sondern fügen sich zu einem ausgewogenen, wirkungsvollen Ensemble zusammen. Die Aufgabe besteht darin, die Besucher in eine Erlebniswelt eintauchen zu lassen, die ebenso inhaltsreich wie wirkungsvoll ist, neue Ideen hervorruft und zur aktiven Beteiligung einlädt, was im Museum für Kommunikation durchaus gelingt: Prädikat "Erlebnisort"!

Wir bedanken uns herzlich bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Museums für Kommunikation Katharina Schillinger, Wenke Wilhelm, Dr. Oliver Götze und Dr. Veit Didczuneit für die interessanten und informativen Gespräche!

Unser Kontakt

Marcus Kleiner

Prof. Dr. Marcus S. Kleiner

Studiengangsleiter

für den M.A. Erlebniskommunikation
Prof. für Kommunikations- und Medienwissenschaft
Forschungskoordinator
Telefon +49 30 2332066-10 E-Mail schreiben

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