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Auf den Spuren Helmut Newton's - Ein Erlebnisbericht

Masterstudierende blicken hinter die Kulissen des Museums für Fotografie und tauchen ein in die spannende Biografie eines Provokateurs.

Im Rahmen des Kurses „Mediengeschichte“ setzen sich die Studierenden des zweiten Semesters im Masterstudiengang Erlebniskommunikation aktuell mit den Themen Museum und Ausstellung auseinander. Dafür untersuchen sie in unterschiedlichen Berliner Museen, inwiefern diese als Erlebnisorte wirken und ob die gezeigten Ausstellungen als Medien der Erlebniskommunikation dazu beitragen können.

Ein Erlebnisbericht: 

Das Museum

„Wir sind kein Museum“, leitet Kurator Dr. Matthias Harder, der uns an diesem Tag durch das „Museum für Fotografie, Helmut Newton Stiftung“ begleitet, das gemeinsame Gespräch ein. Jede Ausstellung der Stiftung, die von Helmut Newton zu Lebzeiten selbst auf den Weg gebracht wurde, ist immer neu aufbereitet und gelöst von festgelegten Gestaltungskriterien. Die Ausstellungen leben von ihren Entstehungsgeschichten, Protagonisten und von den Orten, an denen sie präsentiert werden. Dadurch spiegelt das Museum die Vielfältigkeit Newtons wieder und präsentiert sich selbst als Schaufenster für dessen Werk.

Das Museum als Erlebnisort

Im Laufe unseres bisherigen Studiums haben wir bereits unterschiedliche Bedingungen für das Gestalten von Erlebnissen kennengelernt. Zwei Faktoren sollen nachfolgend hinsichtlich ihrer Auffindbarkeit im Museum für Fotografie skizziert werden: Interaktion und die Bedeutung auratischer Orte für das Besuchererleben.

Integration und Partizipation sind die wohl wichtigsten Kriterien für die Entstehung von Erlebnissen. Die Gestaltung im Museum für Fotografie folgt, überraschenderweise, keiner festgeschriebenen Ausstellungsdidaktik. Das Interesse, dass Kurator Dr. Matthias Harder in seiner Gesamtinszenierung verfolgt, zielt vor allem auf Eines ab – Interaktion. Für ihn liegt der Sinn von Fotografie im Nachdenken, Interpretieren und Interagieren mit, von und über Fotos begründet. Dr. Matthias Harder betont, was wir schon aus Kommunikations- und Medienwissenschaftsvorlesungen kennen: wir erleben durch die Anwesenheit des Anderen. Fotografien müssen gesehen werden und besprochen werden – nur so erfüllt sich ihr Zweck.

Ein zweites Kriterium für das Wirken von Erlebnissen spricht der Kurator selbst zu Beginn der Führung an. Er erzählt davon, wie Ausstellungen (die vom Museum zum Verleih angeboten werden) von Ort zu Ort vollkommen anders wirken, sich immer wieder neu in räumliche Gegebenheiten einfinden und abhängig von ihrer Kontextualisierung unterschiedliche Erlebnisse im Betrachter hervorrufen können. Auch im eigenen Museum in Berlin spricht er dem Einfluss von Erlebnisorten auf die persönliche Empfindung besondere Wichtigkeit zu. So geht es ihm primär darum, das Leben Helmut Newtons er-lebbar zu machen. Das klassische Museum als Ort der an Inhalte gebunden ist, wird dadurch neu in Szene gesetzt, Kommunikationsort und Bildungserlebnis zwischen Besuchern und Exponaten neu interpretiert. Dr. Matthias Harder erzählt die Biographie Newtons als Geschichte des Museumsortes. Prunkvolle, royale Inneneinrichtung trifft hier auf provokant subversive Charakterzüge des Künstlers. Transparenz und Offenheit spielen eine tragende Rolle in der Gestaltung des Raumes. Die hohen Glastüren ermöglichen einen uneingeschränkten Zugang zur Ausstellung von allen Seiten, durch die großen Fensterwände werden ein- und ausfahrende Züge des gegenüberliegenden Bahnhofs Zoologischer Garten wahrgenommen, die an die eindrucksvolle Fluchtgeschichte Newtons 1938 erinnern lassen. Der Fokus der Inszenierung liegt nicht auf dem eigentlichen Handwerk, der Fotografie als Technik oder Stil, sondern auf der Auseinandersetzung mit und der Darstellung von Geschichten und Persönlichkeiten, von Erlebnissen dahinter.

Ausstellungen als Medien der Erlebniskommunikation

Die gezeigten Ausstellungen im Museum für Fotografie erstrecken sich über mehrere Etagen. Dabei gibt es keine festgeschriebene Leserichtung und Bewegung im Raum. Auf Führungslinien und lange Textblöcke zur Erklärung der Exponate wird verzichtet. Folgt man der architektonischen Logik des Ortes, trifft man in der unteren Etage einen für Fotoausstellungen eher untypischen Raum. Die „Erlebnisausstellung“ („Private Property“) wie Harder sie nennt, macht das Leben Helmut Newtons erfahrbar und lässt uns später betrachtete Fotografien vollkommen neu verstehen. Hier werfen Besucher einen Blick hinter die persönlichen Kulissen des Fotografen und lernen ihn (vor seiner Kunst) zunächst privat kennen. Es geht darum, den Fotografen zu verlebendigen – private Fotos, Briefe, Requisiten. „Dieser Raum wurde geschaffen, weil Newton gestorben ist.“, so Harder – ein echtes Erlebnis.

Eine nächste Etage des Hauses ist der Arbeit Newtons gewidmet. Hier steht die Fotografie voll und ganz im Fokus der Erzählung. Nicht nur, dass es natürlich inhaltlich primär um Fotos geht, die Bilder werden auch als solche präsentiert. Der bewusst minimalistisch gehaltene Einsatz von Bewegbild lässt die Ausstellung umso authentischer wirken. Die einer Galerie ähnelnde, „klassischere“ Ausstellung zeigt, wie Newton Persönlichkeit und Genialität in seine Kunst überführt hat. Er spielt mit Provokation, Tabus, Kuriositäten, Sexualisierung und kreiert ein Spannungsfeld um Echtheit und „Fake“ in der Modeindustrie.

Fazit

Das Museum für Fotografie ermöglicht auf vielerlei Ebenen ein Erlebbarmachen von Ort, Ausstellung und Exponaten. Dabei spielt die Figur des Betrachters eine zentrale Rolle. So wie im Museum Fotografien als Ausschnitte, Momentaufnahmen und Entscheidungen des Künstlers verstanden werden, treten hier auch Besucher als Entscheider auf. Dadurch, dass die Ausstellung frei von jeglichen Orientierungsvorgaben gestaltet ist, sind Zuschauer dazu eingeladen, ihre eigene Akzentuierung vorzunehmen. Durch diese Gestaltungsstrategie findet eine hochgradige Individualisierung und Emotionalisierung im Betrachtenden statt. Die gleiche Ausstellung wird so je nach Interpret unterschiedlich erlebt – Ich als Teil der Ausstellung.

Im Gespräch mit Kurator Dr. Matthias Harder haben wir die Möglichkeit, Dinge über das Museum zu erfahren, die wir ohne Führung nur schwer wahrgenommen und verstanden hätten. Er liefert Hintergrundwissen, erzählt private Geschichten um das Leben Helmut Newtons und ermöglicht uns unser ganz persönliches und exklusives Museumserlebnis.

An dieser Stelle bedanken wir uns beim „Museum für Fotografie, Helmut Newton Stiftung“ sowie bei Dr. Matthias Harder für eine spannende Führung, anregende Gespräche und die zahlreichen Einblicke hinter die Kulissen des Museums. Wir freuen uns über den neu gewonnenen Kontakt zwischen Ihnen und unserer Hochschule!

Unser Kontakt

Marcus Kleiner

Prof. Dr. Marcus S. Kleiner

Studiengangsleiter

für den M.A. Erlebniskommunikation
Prof. für Kommunikations- und Medienwissenschaft
Forschungskoordinator
Telefon +49 30 2332066-10 E-Mail schreiben